Gott, Geld und Tod
Eine Retrospektive zu Damien Hirsts Werk im Londoner Tate Modern

Damien Hirst ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Gegenwartskünstler. Seine Werke verkaufen sich für unerhörte Summen. Und doch ist seine Kunst mehr als nur ein Phänomen oder eine Anlagemöglichkeit. Hirst spielt mit Erwartungshaltungen, beschäftigt sich mit Vergänglichkeit und nimmt den Kunstmarkt gerne auf die Schippe. Viele seiner Werke gelten bereits jetzt als ikonenhafte Sinnbilder unserer Gesellschaft. Sein finanzieller Erfolg rückt die Käuflichkeit von Kunst in ein unsanftes Licht.

Ein eingelegter Hai: The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living von 1991

Es wurden schon in Mailand und Neapel Damien-Hirst-Retrospektiven gezeigt, aber nie in seiner Heimat Groß Britannien. Dabei kuratierte Hirst seine erste Ausstellung mit eigenen Arbeiten und denen von befreundeten Künstlern in London, was ihn damals bekannt machte. Jetzt zeigt das Tate Modern in London endlich viele seiner wichtigsten Arbeiten. Zu sehen sind u.a. der in Formaldehyd eingelegt Hai (The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living, 1991), eine Installation in Form einer lebensgroßen Apotheke, die sich mit Tod, Krankheit und Menschlichkeit auseinandersetzt (Pharmacy, 1992) und eine Arbeit, die seit ihrer Entstehung nicht mehr in ihrer Gänze zu sehen war (In and Out of Love, 2005).

Auch die Arbeit The First Thousand Years (1990) wird im Tate Modern zu sehen sein

Die letztgenannte Arbeit besteht aus zwei Räumen. Im ersten hängen weiße Leinwände, auf denen Puppenlarven angebracht sind. Nach und nach füllt sich der Raum mit Schmetterlingen. Im zweiten Raum sind tote Schmetterlinge auf weißen Leinwänden zu sehen und in der Mitte des Raumes brennt eine Zigarette in einem Aschenbecher aus. Diese Arbeit ist wie fast alle Arbeiten Hirsts auf Vergänglichkeit gemünzt. Alles Lebend muss sterben, das fasziniert Hirst und passt in eine Zeit, in der sich Menschen nur noch selten mit ihrem Tod auseinander setzten. Deswegen ist seine Kunst wahrscheinlich auch so erfolgreich, weil sie ein Problem angreift, das jeder hat und niemand wahrhaben will.

Damien Hirst, Tate Modern, Bankside, London SE1 9TG, 04.04. bis 09.09.2012

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